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Kommentar – Streamerin mit Live-Morddrohung erpresst: Es widert mich an!

Die Streamingplattform Twitch ist für zahlreiche Dramen und Skandale bekannt. Was aber nun einer deutschen Streamerin passiert ist, überschreitet eine Grenze. Ein Kommentar von Ann-Marie Herrmann-Hügel.

Eigentlich wollte JadeyAnh am vergangenen Wochenende auf Twitch nur eine Partie League of Legends mit ihren Freunden streamen. Mitten im Stream bekam die junge Frau dann einen Anruf von ihrem “Vater”. Der Anrufer entpuppte sich allerdings als ein Betrüger, der durch sogenanntes Spoofing vortäuschte, JadeyAnhs Vater zu sein.

Unter Spoofing versteht man eine Methode, mit der Anrufer unter einer vorgetäuschten Rufnummer geführt werden und so dem Empfänger eine falsche Identität vorgaukeln können.

Erpressung und Polizei

Der Unbekannte versuchte die Streamerin dazu zu bringen, sich live auf Twitch zu entblößen: “Wenn du deinen Vater lebend wiedersehen willst, dann zeig jetzt deine T*****.” Er habe ihren Vater gefesselt und werde ihn umbringen, sollte sie nicht auf seine Forderungen eingehen.

Sichtlich geschockt versuchte JadeyAnh die Situation zu klären. Zum Glück reagierte einer der Chat-Mods und kontaktierte ihren Onkel, der wiederum den Vater anrief, dem es zum Glück gut ging. Daraufhin legte JadeyAnh auf und rief die Polizei an.

Kein schlechter Scherz mehr

Dass es auf Twitch nicht immer lustig zugeht, ist kein Geheimnis. Vor allem für Streamerinnen ist die Plattform teilweise toxisch. Dumme Sprüche oder Beleidigungen sind “normal”, immer wieder kommt es zu Sexismus-Skandalen. Dass so etwas nicht geht und man dagegen vorgehen muss, darüber hat mein Kollege schon ausführlich berichtet.

Was sich der Unbekannte hier erlaubte, ist aber kein schlechter Scherz mehr – es ist eine Straftat. Das Vorgehen kann für die Betroffenen ernsthafte Folgen haben – nicht nur psychisch.

In der Vergangenheit gab es auch Fälle von Swatting, die zu tragischen Todesfällen führten. Unter Swatting versteht man vorgetäuschte Notrufe, bei denen die Polizei zu einem anderen Menschen geschickt wird. Wegen eines solchen Falles wurde Ende 2017 in den USA ein Unschuldiger erschossen. Grund war ein Streit beim Spielen von Call of Duty.

Ein widerliches Vorgehen

Zwar handelt es sich hier nicht um Swatting, Spoofing schlägt aber in eine ähnliche Kerbe. Eine solche Methode einzusetzen, damit eine Frau ihre Brüste zeigt, widert mich zutiefst an.

Erneut ist es ein Internet-Knilch, der die Szene in den Dreck zieht und dabei auf abstoßendste Weise versucht, eine Streamerin zu erniedrigen. Generell sind solche Forderungen unterste Schublade. Aber er hat eine Grenze überschritten, um an sein Ziel zu kommen. Es ist eine neue Eskalationsstufe im Internet-Kosmos, in dem sich viele hinter der vermeintlichen Anonymität verstecken.

Dieser Täter ist kein Gamer oder Fan – er ist ein Schwein, das hinter Gitter gehört! Dass JadeyAnh die Polizei kontaktierte, war die einzig richtige Entscheidung – auch, wenn die Suche nach dem Täter vielleicht erfolglos bleibt. So etwas muss ein Einzelfall bleiben, denn mit unserer Gaming-Szene hat das nichts zu tun!

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Bildquelle: twitch.tv/jadeyanh

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